Berufsunfähigkeitsversicherung – Deine wichtigste Absicherung?

Braucht man diese wirklich oder reicht nicht auch die Erwerbsminderungsrente (EMR)?
Lesedauer: ca. 6 Minuten
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Letzter Stand: 21. Mai 2021
Berufunfähigkeitsversicherung als wichtigste Absicherung
Inhaltsverzeichnis

Die Berufsunfähigkeitsversicherung

Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist wohl eine der wichtigsten Versicherungen überhaupt, um eure Existenz abzusichern. Im nachfolgendem gehe ich auf die gesetzlichen Ansprüche, Voraussetzungen und die steuerliche Betrachtung im „Schadenfall“ ein.

Gesetzliche Voraussetzungen

Um überhaupt Ansprüche geltend machen zu können muss man eine Wartezeit von 60 Monaten überstehen, in denen man über die gesetzliche Rentenversicherung versichert ist und zusätzlich muss man vor der Antragsstellung in den letzten fünf Jahren 36 Monate Pflichtbeiträge gezahlt haben. In den meisten Fällen haben somit Schüler, Studenten und Auszubildende keinen Anspruch auf eine Erwerbsminderungsrente (EMR). Selbständige können freiwillig in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen, um sich diese Absicherung zu erhalten, ansonsten hat diese Berufsgruppe ebenfalls keinen Anspruch auf Leistung. Diese Berufsgruppen sind somit besonders gefährdet.

Volle und halbe EMR 

Der Begriff der Erwerbsminderungsrente (EMR) ist wahrscheinlich jedem von euch schon über den Weg gelaufen, nur was bedeutet dieser und was kann man hier erwarten? Es wird zwischen „voller“ EMR und „halber“ EMR unterschieden. Die volle EMR wird gezahlt, wenn man dauerhaft weniger als 3 Stunden am Tag arbeiten kann. Es spielt hier für en Staat keine Rolle, welche Arbeit, ihr müsst nur was tun, wer also nicht mehr laufen kann, aber 8 Stunden am Tag am PC arbeiten kann, wird keine Ansprüche geltend machen können. Für die halbe EMR muss die tägliche Arbeitszeit zwischen 3 und 6 Stunden am Tag liegen. Hier drunter seht ihr mal die Statistik von der gesetzlichen Rentenversicherung stand 31.12.2019. Knapp 95% aller EMR erhalten die vollen Bezüge. Wenn ihr mich fragt, entweder ihr bezieht bei der Lückenberechnung die voll EMR mit ein oder ihr lasst es, die halbe wird so gut wie nie bezahlt.

Anzahl der EMR-Renten
Erwerbsminderungsrenten volle und halbe im Vergleich

Höhe der Ansprüche aus der EMR

Wie viel kann man denn nun erwarten. Nun ja, schaut euch mal den letzten Rentenbescheid an, hier wird allerdings nur die volle EMR angezeigt. Für eine groben Richtung kann man aber sagen die volle EMR sind ca. 30% vom letzten Brutto und die halbe eben nur die Hälfte sprich 15%. Wer meint damit sein Leben vernünftig Leben zu können, meinen Respekt, von dem bräuchte ich dann mal ein paar Tipps, falls es bei mir mal soweit sein sollte (wollen wir mal nicht hoffen). Die Begrenzung der EMR ist übrigens limitiert auf die Beitragsbemessungsgrenze (BBG). Diese liegt im Jahr 2021 im Westen bei 7.100 EUR und im Osten bei 6.700€. Wer also lange über diesen Beiträgen verdient, wird eine noch größere Lücke haben. Dasselbe gilt für die gesetzliche Rentenversicherung, also auch hier unbedingt vorsorgen!!

Warum ist die Berufsunfähigkeitsversicherung so wichtig Handwerker vs. Bürohengst

Auch bei Unfall schützt die Berufsunfähigkeitsversciherung
Die Versicherung als Einkommensretter

Nehmen wir mal zwei Beispiele. Der Erste ist Handwerker, die Art ist fast egal, ob Fliesenleger Dachdecker, Heizungsbauer, etc. Diese haben eine erhöhte Kraftanstrengung bei den Knien, Rücken und Arme. Sollte er also nun nicht mehr aufgrund einer körperlichen Einschränkung arbeiten können, kann dieser aber vielleicht noch sitzen und Abrechnungen schreiben oder den Knopf für die Schranke betätigen. Er wird es aber einfacher haben die EMR durch zu bekommen als unser zweites Beispiel, den Bürohengst. Ich weiß nicht wie häufig ich den Satz schon gehört habe: “Ich bin doch nur im Büro, was soll mir schon passieren“. Ich will auch zugeben, dass diese es wirklich schwerer haben, aufgrund einer körperlichen Einschränkung die EMR zu erhalten, schließlich kann ich noch mit amputierten Beinen in die Tasten meiner Tastatur hauen, ich muss aber nicht betonen, dass diese Berufsgruppen häufig unter größeren psychischen Belastungen stehen. Vor Krankheiten kann sich weder der Handwerker noch der Bürohengst schützen. Man kann sich zwar gesund ernähren und Sport betreiben, aber vor allem schützt es nicht. In einem weitern Artikel werde wir das Thema aber genauer unter die Lupe nehmen.

Viele Menschen sind Millionäre und was zum Nachdenken

In einem vorigen Artikel hatten wir schon mal das Thema, wie berechnet man eigentlich sein Humankapital? Das aktuelle Nettogehalt * Anzahl der Monate bis 67. Ein genaues Beispiel inklusive, lohnt sich ein Studium? findet ihr hier: Humankapital

Was mich immer wundert ist, dass viele Menschen eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) als zu teuer empfinden. Ich gebe euch mal ein Beispiel aus der Praxis. Max 30 Jahre alt, kauft sich einen Jahreswagen mit einem Kaufpreis von 30.000 EUR. Diesen finanziert er ab und ist selbstverständlich Vollkasko versichert. Warum? Es kann sein, dass ich den kaputt fahre und will nicht auf den Kosten sitzen bleiben. Eine Vollkasko kostet Ihn vielleicht 30-40 EUR im Monat. Ich frage mich da immer, wie wohl der Partner reagieren würde, sollte es wirklich mal zu einem Totalschaden kommen und die Versicherung ihm mitteilt, herzlichen Glückwunsch, Sie bekommen ein neues Auto, aber Ihr Lebensgefährte ist im Arsch und Sie erhalten Grundsicherung. Die BU hätte für einen Bürohengst vielleicht 50-100 EUR im Monat gekostet, je nachdem welches Einkommen und welchen Beruf…

Die private Berufsunfähigkeitsversicherung ein muss

Viele Krankheiten sind nicht offensichtlich
Stress ist einer der Hauptursachen für die Berufsunfähigkeitsversicherung

Warum wir eine private Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen sollten, habe ich durch die gesetzlichen Regelungen soweit erklärt, nur wie muss diese aussehen und worauf muss man achten, dass erfahrt ihr im folgenden Abschnitt:

Parameter 

Bei der privaten BU werden folgende Kriterien herangezogen, um den Preis ausfindig zu machen.

  • Eintrittsalter des Versicherungsnehmers
  • Beruf des Versicherungsnehmers bei Antragsstellung
  • Höhe der BU-Rente (in vielen Fällen Maximal 70% vom Brutto, klingt logisch oder 😉)
  • Rentendauer
  • Ggf. Leistungserhöhung im BU-Fall
  • Arbeitsunfähigkeitsklausel

Wie man sieht, gibt es hier viele Parameter, die den Preis ausmachen und deshalb empfiehlt sich hier immer ein persönliches Gespräch.

Gesundheitsprüfung

Da es sich bei der Berufsunfähigkeitsversicherung um ein Produkt der privaten Versicherungsgesellschaft handelt, wird vorab eine Gesundheitsprüfung erforderlich. Nur weil man eine BU haben will, heißt es noch lange nicht, dass man diesen wertvollen Schutz auch bekommen kann. In den letzten 10 Jahre stationär im Krankenhaus, Größe und Gewicht, chronische Erkrankungen, Raucher Ja/Nein sind nur einige typische Fragen, auf die ihr gefasst sein müsst. Diese können den Preis und den Versicherungsschutz beeinflussen, wenn ihr auf einmal einen Leistungsausschluss oder einen Beitragszuschlag in Kauf nehmen müsst.

Welche Höhe solltet Ihr versichern?

Hier möchte ich keine Empfehlung aussprechen, ihr solltet es euch selbst durchrechnen, wie viel ihr zum Leben benötigt und ob ihr ggf. eine EMR mit anrechnen wollt. Ein paar Denkanstöße möchte ich euch aber mit auf dem Weg geben.

Alles unter 1.000 EUR könnt ihr euch sparen. Solltet ihr Sozialleistungen bekommen, werden diese mit der BU-Rente verrechnet und ihr spart dem Staat nur Geld. Solltet ihr 500 EUR im Monat Sozialleistungen erhalten und habt 700 EUR BU-Rente versichert, habt ihr keinen Anspruch auf die Sozialleistungen. Sollte die Gesetzliche Rentenversicherung euch die EMR gewähren, wird die BU-Rente NICHT angerechnet, egal ob die halbe oder die volle. Bedenkt zusätzlich bitte, ihr zahlt nicht mehr in die Rentenversicherung ein, eure Rente wird also auch geringer, denn die BU und EMR hören mit dem 67. Lebensjahr auf zu zahlen. Schreibt euch mal auf, was ihr dann wirklich monatlich zum Leben braucht. Das ist ein guter Anhaltspunkt. Habt ihr vielleicht noch andere Einkommensquellen, wie Vermietung oder Dividenden (hehe) habt ihr schon mal einen Grundstock, auf den ihr euch verlassen könnt.

Dynamische Anpassung ist wichtiger als ihr denkt

Ein häufiger Punkt, den Ihr mit in eure BU einschließen könnt, ist die sogenannte Dynamik, sprich die Rentenleistung wird jedes Jahr mit einem bestimmten Prozentsatz angepasst. Warum ist das denn so wichtig? Stellt euch vor ihr habt nur eine feste Rente abgeschlossen, erhaltet ihr den Jahren bis zu Rente keine Lohnerhöhung oder gibt es keine Inflation mehr, wohl kaum. Bei jeder manuellen Rentenanpassung nach oben wird eine erneute Gesundheitsprüfung fällig. Ich muss glaub ich nicht betonen, dass man über die Jahre eher kränker als gesünder wird. Zusätzlich hat man vielleicht auch mal Kinder oder eine Hypothek, die abbezahlt wird. Ich glaube die meisten wollen ihr Haus behalten und nicht verkaufen müssen, wenn der Fall der Fälle mal eintritt.

Anpassung ohne erneute Gesundheitsprüfung 

Aufgrund des oben geschrieben Problems, haben die Versicherer aber einen Ausweg gefunden. Bei bestimmten Voraussetzungen kann man die Rente auch ohne erneute Gesundheitsprüfung anpassen, z.B.:

  • Heirat
  • Scheidung
  • Gehaltssprung von mehr als 10% im Vergleich zum Vorjahr
  • Kinder
  • Hauskauf

Einfach mal den Versicherungsschutz überprüfen, sollte es zu einem der Voraussetzungen kommen.

Leistungsvoraussetzungen

Bei der privaten BU gilt in aller Regel die 50% Schiene. Kann der Angestellte, selbstständige, Handwerker, was auch immer, seinen Beruf dauerhaft nicht zu mindestens 50% ausführen ist der Versicherer in der Leistungspflicht, unabhängig davon, ob dieser einen anderen Beruf ausführen kann oder nicht. Diese wird von einem Arzt bescheinigt. Ich habe schon Fälle, vor allem in Großkonzernen erlebt, dass diese in der Firma einen anderen Beruf ausführen, weil diese den Angestellten nicht verlieren wollen, zusätzlich aber die BU erhalten haben.

Bei der EMR und der BU-Rente auch noch Steuern zahlen?

Ja, sofern die Freigrenze überschritten wird(für das Jahr 2021 beträgt diese 9.744 EUR) muss man Steuern bezahlen, da diese auch als Einkommen gewertet wird. Ist eigentlich auch logisch, sonst würde man sich bei gleichem Einkommen als EMR-Rentner oder BU-Bezieher besserstellen als der Angestellte.

Alles gar nicht so einfach mit der BU

Wenn man auf ein paar Dinge achtet, funktioniert es auch mit der Berufsunfähigkeitsversicherung. Jede Konstellation ist anders, aber euer Einkommen ist der größte Hebel auf dem Weg in die finanzielle Unabhängigkeit. Wollt ihr diesen Versicherungsschutz wegen 100 EUR im Monat riskieren? Überlegt mal wie viel ihr im Monat für unnötigen Konsum ausgebt, ich bin mir sicher, da lässt sich was reduzieren. Aus der Praxis, im Schadenfall hat mir bis jetzt jeder gesagt, Gott sei dank hatte ich eine BU und vor allem der Partner wird es euch danken. 😊

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