Kaufmann für Versicherungen und Finanzen als Karriere?

Von der Ausbildung bis zur Frage: Angestellt oder besser selbstständig?
Lesedauer: ca. 6 Minuten
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Letzter Stand: 18. Mai 2021
Ausbildungsstart Kaufmann Versicherungen Finanzen
Beginn der Karriere als Kaufmann für Versicherungen und Finanzen
Inhaltsverzeichnis

Warum Kfm. für Versicherungen und Finanzen?

Die Ausbildung zum Kaufmann für Versicherungen und Finanzen ist vielseitig und bietet die unterschiedlichsten Möglichkeiten, auch bei der Verdienstmöglichkeit. Da dies nicht mit einem Satz getan ist werde ich hier mal ein bisschen aufräumen, denn es kann große Unterschiede geben, ob man später im Außen- oder im Innendienst für eine Versicherung arbeitet. Ich betone deshalb „kann“, weil es als Selbstständiger natürlich kein geregeltes Einkommen gibt, aber fangen wir ganz von vorne an.

Ausbildung

Die Ausbildungsbezeichnung lautet „Kaufmann/Kauffrau für Versicherungen und Finanzen“, abgelöst von dem klassischen Begriff des Versicherungskaufmanns. Für diese Ausbildung eignen sich vor allem Personen, die kommunikativ sind und daher „gut mit Menschen können“. Wenn ihr euch einen Ausbildungsplatz sucht, würde ich mich an eurer Stelle direkt beim Versicherer anstellen lassen. Die Agentur um die Ecke ist an keinen Tarifvertrag gebunden und ihr stellt euch schlechter. Viele Versicherer fordern inzwischen einen Eignungstest, auf den ihr euch vorbereiten* solltet.

Die aktuellen Ausbildungsvergütungen sind folgendermaßen:

Grundvergütung Ausbildung

gültig seit 01.04.2020

  1. Ausbildungsjahr 1.040€
  2. Ausbildungsjahr 1.115€
  3. Ausbildungsjahr 1.200€

Gültig ab 01.06.2021

  1. Ausbildungsjahr 1.070€
  2. Ausbildungsjahr 1.145€
  3. Ausbildungsjahr 1.230€

Zusätzlich werden 40€ jeden Monat für vermögenswirksame Leistungen gezahlt. Auch können noch Sonderleistungen für Bahnfahrer oder ähnliches geleistet werden. Einfach hier mal im Vertrag nachschauen.

Dies könnt ihr alles unter folgenden Link nachschauen: Gehaltstarifvertrag Versicherung

Im Verhältnis zu anderen Ausbildungsberufen ist die Grundvergütung im oberen Bereich anzusehen. Den Ausbildungsberuf aber nur nach der Vergütung auszuwählen ist selbstverständlich nicht zu empfehlen.

Zusätzliche Verdienstmöglichkeiten

Sofern man die Ausbildung als Kaufmann für Versicherungen und Finanzen im Außendienst macht, können hier zusätzliche Einnahmen in Form von Provisionen erwirtschaftet werden. Diese können teilweise so hoch sein, wie das Ausbildungsvergütung selbst. Das hängt stark davon ab, wie gut ihr euch in die Agentur integriert und ob ihr von Anfang an Kundenkontakt haben dürft, teilweise fängt dies erst im 2. Ausbildungsjahr an. Ich selbst war die ersten 1,5 Jahre im Innendienst und bin dann in den Außendienst gewechselt, die zweite Hälfte der Ausbildung hatte ich ebenfalls kaum Kundengespräche, wodurch ich mir nur wenig dazuverdienen konnte. Kundengespräche hat man aber nach der Ausbildung noch genug, da macht euch mal keine Sorgen 😉 Wie sagt man so schon Lehrjahre sind keine Herrenjahre, denn der Spaß fängt erst nach der Ausbildung an.

Ausbildung Versicherung
Vergütung Ausbildung Kaufmann Versicherungen

Ausbildung und dann?

Im Anschluss unterscheidet man grundsätzlich den Innendienst vom Außendienst. Ich kann zum Innendienst leider wenig sagen, da ich mich nach der Ausbildung selbstständig gemacht habe und in den Außendienst gewechselt bin. In dem o.a. Link könnt ihr euch aber ein Bild machen, was der Innendienst so hergibt. Je nachdem welche Ambitionen man mal später hat, sind auch Gehälter von bis zu 60.000€ Möglich in Führungspositionen natürlich noch mehr. Der Versicherungsberuf bietet aber so viele verschiedene Facetten, dass mich hier auf den Außendienst beschränke. Sofern ihr konkrete Fragen zu bestimmten Zweigen in der Versicherungsbranche habt, schickt mir doch eine Mail oder schreibt es in die Kommentare unter diesem Artikel, ich würde mich sehr freuen. Kommen wir aber nun zum eingemachten.

Arten der Selbstständigkeit

Die Versicherungsgesellschaft unterscheidet 3 Arten von Kaufleuten von Versicherungen und Finanzen: 1. Den „klassischen“ Ausschließlichkeitsvertreter, der für eine Gesellschaft arbeitet, 2. den Versicherungsmakler, der mehrere Gesellschaften im Portfolio hat und den Honorarberater, der, wieder Name schon sagt auf Honorarbasis arbeitet. Den Honorarberater trifft aber in freier Wildbahn nur selten an und wird sich meiner Meinung nicht durchsetzen, wo bleibt denn die Motivation vernünftig zu beraten, wenn man nur für ein spezielles Thema bezahlt wird? Das meiste Potential bieten die ersten beiden genannten.

Voraussetzungen im Vertrieb

Um einen Ausbildungsplatz als Kaufmann für Versicherungen und Finanzen zu ergattern gibt es grundsätzliche Voraussetzungen. Ein Führerschein der Klasse B sollte vorhanden sein. Einen Kunden mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu besuchen, kann man machen, aber es empfiehlt sich nicht. Welchen Weg man auch einschlägt, der Versicherungsvertrieb ist Fleißarbeit. Man sollte nicht davon ausgehen, dass die Kunden einen die Bude einrennen und man über Nacht reich wird. Der ständige Kontakt mit Kunden ist das Handwerkszeug, wer also die Scheu hat einen fremden Menschen anzurufen, der wird es schwer haben. Freundlichkeit, Kompetenz und manchmal auch Hartnäckigkeit sind die Grundpfeiler im Außendienst. Der Versicherungsvertrieb ist immer noch ein Verkäufermarkt.

Geistig, nicht körperlich

Ihr müsst die Bedürfnisse des Kunden erkennen und darauf eingehen. Ist nicht so einfach wie es sich anhört und Bedarf einer Erfahrung über viele Kundengespräche. Das macht den Beruf aber so spannend. Man hat jeden Tag mit neuem aufregendem Menschen zu tun und jeder ist anders. Zusätzlich sollte man gut mit seinen Finanzen umgehen können. Wie soll ich jemanden zum Konsumverzicht bringen, wenn ich selbst am Ende des Monats nichts übrighabe. Das Führen einen Haushaltstagebuchs kann da schon wahre Wunder helfen und kann ich nur jedem empfehlen. Die meisten wissen doch gar nicht, wo ihr Geld im Laufe des Monats so hingeht.

Die Eierlegende Wollmilchsau gibt es nicht

Vergütung nach Ausbildung Versicherungskaufmann
Gehalt Kaufmann Versicherung und Finanzen

Nun ja, was heißt das denn jetzt im Portemonnaie. Als Kaufman für Versicherungen und Finanzen im Außendienst bekommt häufig von der Versicherung aus zwei Töpfen Geld. Einmal aus der laufenden Betreuung der Kunden, man bearbeitet ja deren Anliegen, hilft bei der Schadenabwicklung und klärt Verwaltungsaufgaben, wie Lastschriftänderungen, Wohnungswechsel etc. Dies wird dadurch indirekt vergütet. Der andere Topf ist der Weg Vertragsabschlüsse mit Kunden, in der Regel auch nur über Neuverträge oder Mehrprämien. Lasst euch aber eins sagen, es ist ein Geschäft nach Masse.  Man kann mal den Lucky Punch haben, aber das reicht nicht bis zu Rente.

100.000€ Jahresgehalt?

Die Höhe des Verdienstes ist dann aber keine Grenzen gesetzt. Ein guter Berater*, der schon lange im Geschäft ist, kann so auch mal seine 80-100.000€ brutto pro Jahr verdienen, (das kann man als langjährige Führungskraft auch) als Berufseinsteiger ist das eher unrealistisch. 30-40.000€ sind hier die Regel.

Je länger dabei, desto besser

Man erkennt einen guten Berater daran, dass dieser schon lange dabei ist. Jemand der nach ein paar Jahren aufhört, hat es in der Regel nicht geschafft, oder der Beruf war einfach nichts für einen. Eins sollte hier aber außerhalb des Gehaltes nie vergessen werden, der Beruf muss einem Spaß machen. Wenn ich 40-45 Jahre einen Beruf ausführe, muss ich gerne zur Arbeit gehen. Ich habe täglich mit Menschen zu tun, aus allen Gesellschafts- und Einkommensschichten

Der Weg als Quereinsteiger, ein guter?

Schneller Einstieg?

Wenn man einen schnelleren Weg gehen möchte, kann man auch als Quereinsteiger in dem Beruf Fuß fassen. Hier beträgt die Ausbildung, je nach Gesellschaft zwischen 3-15 Monate und man erlangt den Versicherungsfachmann, wobei man sagen muss, dass man nach 3 Monaten nur an der Oberfläche gekratzt hat, eigenständiges arbeiten ist hier noch nicht gegeben. Man erhält in der kurzen Zeit Einblicke in die unterschiedlichen Versicherungsprodukte, aber das war es dann auch. Auch der betriebswirtschaftliche Teil wird außen vorgelassen, welchen ich schon als sehr wichtig empfinde. Falls ihr also die Wahl habt, entscheidet euch für die Ausbildung zum Kaufmann für Versicherungen und Finanzen.

Ohne Hilfe nicht zu schaffen

Man braucht danach auf jeden Fall eine Agentur, die hier unterstützt. Dabei kann man mal mit einem Einstiegsgehalt von ca. 25.000€ Brutto rechnen. Bedenkt bitte, ihr seid branchenfremd und habt nur ganz kurz in den Beruf reingeschnuppert. Große Gehaltsvorstellungen könnt ihr da nicht verlangen. In den meisten Fällen hat man aber noch die Möglichkeit über Provisionen oder individuelle Vereinbarungen Geld dazuzuverdienen.

Würde ich mich wieder für den Beruf entscheiden?

Vielseitigkeit und Karrierechancen

Der Beruf des „Kaufmanns für Versicherungen und Finanzen“ ist vielseitig und die Karrierechancen sind entsprechend groß, geschenkt bekommt man aber wie in jedem anderen Beruf aber nichts. Eins sollte hier aber außerhalb des Gehaltes nie vergessen werden, der Beruf muss Spaß machen.

Spaß vor dem Verdienst

Wenn ich 40-45 Jahre einen Beruf ausübe, muss ich gerne zur Arbeit gehen. Ich habe täglich mit Menschen zu tun, aus allen Gesellschafts- und Einkommensschichten und jedes Gespräch ist anders. Das begeistert mich jeden Tag und ich hoffe ich darf diesen Job noch weitere 30 Jahre machen.  Falls ihr euch nicht sicher seid, ob der Beruf etwas für euch ist, fragt doch euren netten Berater von nebenan, vielleicht könnt ihr ja mal ein Praktikum machen, um mal reinzuschnuppern. Ich wette hier werdet ihr auf ein positives Feedback stoßen. Gute Berater werden immer wichtiger und die Versicherungsbranche sucht. Auf spezielle Fragen eurerseits bitte eine Mail oder die Kommentarfunktion benutzen.  Was haltet ihr von dem Ausbildungsberuf und warum würdet ihr diese Ausbildung wählen? Wir freuen uns auf eure Kommentare.

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