Humankapital – Dein fundamentalster Vermögensbaustein

Die meisten Unternehmen betonen die Wichtigkeit ihrer Mitarbeiter und dessen Einfluss auf den Unternehmenserfolg. Und ja das Humankapital ist dein fundamentalster und zumeist größter Vermögensbestandteil. Finanzmathematisch beschreibt das Humankapital den Barwert des noch nicht erhaltenen Arbeitseinkommens.
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Inhaltsverzeichnis

Ursprung des Begriffs „Humankapital“

Den wissenschaftlichen Ursprung des Begriffs Humankapital findest Du in Adam Smiths „Wohlstand der Nationen“. Um den Wert eines Produkts zu ermitteln, führte Smith in seinem Werk den Begriff des fixen Kapitals ein. Fixes Kapital gibt lt. Smith Wert an das Produkt ab, ohne stofflich in das Produkt einzufließen. Das fixe Kapital kann hierbei die folgenden vier Formen annehmen:

  • Maschinen & Werkzeuge
  • Gebäude
  • Grund & Boden
  • Humankapital

Im Gegensatz zu dem fixen Kapital geht das flüssige Kapital in das Produkt über. Hierzu zählen beispielsweise Rohstoffe. Soweit so gut, halten wir fest, Humankapital ist wertschöpfend! Doch wie messen wir das nun? Die Antwort finden wir im nächsten Abschnitt.

Analytische Betrachtung
 

Humankapital in den Wirtschaftswissenschaften 

Humankapital in der Volkswirtschaft

Volkswirtschaftlich versucht die Humankapitaltheorie – über die Kosten-Nutzen Relation von Bildung – den Einfluss des Humankapitals auf gesamtwirtschaftlicher Ebene zu messen. In der Volkswirtschaft werden demnach die Investitionen in Bildung und dessen Auswirkungen (also die daraus resultierenden wirtschaftlich nutzbaren Fähigkeiten und Kenntnisse der erwerbstätigen Bevölkerung) beispielsweise auf das Bruttoinlandsprodukt untersucht. Damit bringt der Begriff zum Ausdruck, dass erst die Ausbildung jemanden dazu befähigt, volkswirtschaftlich produktiv tätig zu werden.

Humankapital in der Betriebswirtschaft

Die Betriebswirtschaftslehre hingegen betrachtet das Humankapital als (immaterielles) Vermögen, das zum langfristigen Unternehmenserfolg beiträgt. Um die Rentabilität dieses Erfolgs messen zu können, nutzt man beispielsweise die Kennzahl der Humankapitalrendite:

Kennzahl Humankapitalrendite

Die Kennzahl Humankapitalrendite sagt aus, wie viele EUR das Unternehmen pro eingesetztem EUR Personalaufwand erwirtschaftet. Aus der Formel können wir aus der betriebswirtschaftlichen Sicht ableiten, welche Stellschrauben die Humankapitalrendite steigern können:

  • Umsatzsteigerung, beispielsweise durch neue Produkte/ Dienstleistungen und neue Absatzmärkte
  • Senkung der operativen Kosten, beispielsweise durch verbesserte Einkaufskonditionen und Prozessoptimierungen
  • Senkung der Personalkosten

Die Betriebswirtschaftslehre unterscheidet den Begriff weiter zwischen individuellen, dynamischen und strukturellen Humankapital. Das individuelle Humankapital umfasst die Soft- und Hardskills der Mitarbeiter, die das Unternehmen GuV-wirksam einsetzen kann. Das dynamische Humankapital beschreibt die Prozesse in der Personalabteilung. Also beispielsweise die Beschaffung und Entwicklung der Mitarbeiter. Mit dem strukturellen Humankapital eines Unternehmens ist die Clusterung der Mitarbeiter u.a. nach Qualifikation, Alter und Geschlecht gemeint.
Okay, nun wissen wir also woher der Begriff stammt und wie er wirtschaftswissenschaftlich verwendet wird. Im weiteren Verlauf des Artikels geht es in erster Linie um Dich und der Höhe Deines Humankapitals. Daher beantworte doch mal intuitiv die Frage: Wie hoch schätzt du ist dein Humankapital? Denkst du, dass die Investition in dich deinen größten Vermögensbestandteil darstellt? Schauen wir es uns an!

Berechnung des Humankapitals

monetäre Berechnung

Wie bereits eingangs erwähnt, ist mit dem Begriff finanzmathematisch dein komplettes Arbeitseinkommen ab heute bis zum Beginn deiner Rente gemeint. Im Zeitverlauf natürlich, bereinigt um die Inflationsrate.
Betrachten wir die Berechnung nun exemplarisch anhand von Max. Max ist 30 Jahre alt und hat einen Bachelorabschluss als Wirtschaftsingenieur. Zum Berufsstart konnte Max ein monatliches Nettogehalt von 3.000 EUR aushandeln. Er plant noch 37 Jahre zu arbeiten, also mit 67 in die Rente einzusteigen. Max beginnt seine Karriere in einem Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern und wird als tariflich Angestellter von einer starken Gewerkschaft unterstützt. Dadurch kann Max auch mit einer jährlichen Gehaltssteigerung von 2,5% planen. Nehmen wir zudem an, dass die Inflationsrate über die Jahre 1,8% beträgt.
Max muss nun also noch 37 Jahre arbeiten und verdient in diesem Zeitraum ein Arbeitseinkommen von 1,945 Millionen EUR. Inflationsbereinigt besitzt Max damit eine Kaufkraft von 1,355 Millionen EUR. Also nach der Barwertmethode ist Max bereits heute Millionär! Perception is everything 😉

Geldkoffer

Halten wir fest, dass dein Humankapital insbesondere in jungen Jahren deinen vermutlich größten Vermögensbestandteil darstellt. Daher lohnt sich ein genauerer Blick auf die Stellschrauben. Wie investierst Du nun in dein Humankapital mit einer möglichst hohen Rendite und nicht zu vergessen mit einem minimierten Risiko?

Investitionen in dein Humankapital

Nun ja, Investitionsmöglichkeiten stellen zunächst alle Faktoren dar, die dir den Weg zu einem möglichst hohen und sicheren Nettogehalt ebnen. Wenn man die Investitionsmöglichkeiten gruppiert, kann man also zwischen einkommenssteigernden und einkommenssichernden Investitionsmöglichkeiten unterscheiden. Wie wir sehen werden, spielt zudem der Faktor Zeit eine wichtige Rolle. Da das Thema Einkommen auf dem Weg in deine finanzielle Freiheit eine eigene Kategorie darstellt, behandeln wir dieses Thema in einem separaten Blockbeitrag. Du willst mehr erfahren? Dann klicke hier!
 

Einkommenssteigernde Investitionen

Zu deinen einkommenssteigernden Faktoren zählen zunächst alle titulierten, kompetenzsteigernden Faktoren wie gute Schulnoten, die Ausbildung oder ein Studium. Ist dieses Fundament geschaffen, kannst Du dir auf der Karriereleiter deine Wettbewerbsvorteile durch Fort- und Weiterbildungen, Bücher und Seminare erarbeiten. Natürlich zählen auch regelmäßige Gehaltsverhandlungen zu einer wichtigen Einflussgröße.

Der Einfluss von Bildung auf dein Humankapital

Schauen wir uns nun exemplarisch den Einfluss eines Studiums an. Angenommen Max berechnet vor dem o.g. Berufsstart die Wirtschaftlichkeit eines Masterstudiums. Nehmen wir für dieses Vorhaben an, dass Max durch den Masterabschluss, also nach zwei Jahren Uni, einen Job anfängt, der ihm zu Beginn ein monatliches Nettogehalt von 4.000 EUR einbringt. Max muss nun also noch 35 Jahre arbeiten und hat bei sonst gleichen Bedingungen bereits einen inflationsbereinigten Humankapitalwert von 1,858 Millionen EUR! Max steigert auf diesem Wege seinen Humankapitalwert um 503 TEUR bzw. liefern ihm die weiteren zwei Jahre in der Uni eine Humankapitalrendite von 37%! Insbesondere in jungen Jahren rentieren sich Investitionen in dein individuelles Humankapital überproportional. Das Beispiel des Studiums veranschaulicht den immensen Effekt.

Buch mit Brille 

Der Faktor Zeit

Doch wie immer gilt auch hier das Gesetz der Polarität. Denn wo Licht ist, ist auch Schatten. So auch beim Humankapital. Denn so groß der Bildungseinfluss in jungen Jahren auch ist, Fakt ist auch: Dein Humankapital sinkt im Laufe der Zeit. Betrachten wir hierzu das Beispiel von Bernd. Bernd, 57 Jahre alt, arbeitet seit Jahrzehnten im selben Unternehmen und plant mit 67 in die Rente einzusteigen. Er ist mit einem Nettogehalt von 3.500 EUR bereits in der höchsten Entgeltgruppe angekommen und hat daher keine weiteren Gehaltssprünge zu erwarten. Doch das Unternehmen bietet Bernd, aufgrund des Renteneintritts einer Kollegin, nun an, einen Teil der anfallenden Aufgaben zu übernehmen. Mit diesem Angebot kann Bernd sein Gehalt doch noch auf 3.700 EUR steigern. Immerhin eine Gehaltssteigerung von knapp 6%, sollte man meinen. Betrachten wir die Wirtschaftlichkeit nun anhand des Humankapitals von Bernd. Im Status Quo liegt sein inflationsbereinigtes Arbeitseinkommen bis zum Renteneintritt bei 380.446 EUR. Übernimmt Bernd einen Teil der nun anfallenden Aufgaben steigt sein Humankapital auf 402.186 EUR. Doch Bernds Humankapital steigt durch den neuen Status Quo ebenfalls „nur“ um knapp 6%. Daher sind Gehaltssprünge im höheren Alter nicht mehr so überproportional wie Gehaltssteigerungen in jungen Jahren. Bernd muss nun die individuelle Entscheidung treffen, entweder in freizeitorientierte Schonhaltung zu verfallen oder sich der neuen Herausforderung zu stellen.

Einkommenssichernde Investitionen

Da Du als Leser dieses Blogs nun weißt, dass dich dein Humankapital vermutlich bereits heute zum Millionär macht, sollte dieser Vermögensbestandteil auch entsprechend gehedged sein. Als einkommenssichernder Faktor zählt in erster Linie deine Gesundheit. Denn Erwerbsminderung und Berufsunfähigkeit betreffen Mitarbeiter aus allen Branchen. Beinahe 50% der Patienten klagen über psychische Störungen, wenn sie nicht mehr in der Lage sind, den eigenen Job auszuführen. Der vermutlich wichtigste Faktor zur Absicherung deines Arbeitseinkommens ist daher die Berufsunfähigkeitsversicherung. Gerade zu Karrierebeginn lohnt es sich eine Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen. Damit stellst du sicher, dass das Kapital deines größten Assets – auch im Krankheitsfall – weiterhin in deine Taschen fließt. Um dich bei diesem Thema abzuholen, behandeln wir die Berufsunfähigkeitsversicherung in einem weiteren Blogbeitrag.

Abschluss Berufsunfähigkeitsversicherung

Wenn du nun wissen willst wie hoch dein Humankapital ist, dann klicke hier und berechne die Höhe deines Humankapitals! 

Fazit zum Humankapital

Das Humankapital wird in der in der Volks- und Betriebswirtschaft sowohl qualitativ (strukturelles und dynamisches Humankapital) als auch quantitativ  (Humankapitalrendite) verwendet. Aus der finanzmathematischen Sicht beschreibt das Humankapital den Barwert deines zukünftigen Arbeitseinkommens. Dein Humankapital ist daher insbesondere in jungen Jahren dein vermutlich größter Vermögensbestandteil. Mit zunehmenden Alter sinkt das Humankapital, da das verbleibende Arbeitseinkommen abnimmt. Die Investitionsmöglichkeiten in dein Humankapital können in einkommenssteigernde (bspw. Bildung) und einkommenssichernde (bspw. Berufsunfähigkeitsversicherung) Investitionen differenziert werden.

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