Kryptowährungen – Ein disruptives Zahlungsmittel?

Der Begriff Kryptowährung ist zurzeit in aller Munde und der Markt befindet sich in einem regelrechten Bull Run. Zuletzt wurde die Aufmerksamkeit von Investoren durch Unternehmen wie Tesla, Paypal und AT&T erhöht, die nun u.a. Bitcoin als Zahlungsmittel akzeptieren. Doch was verbirgt sich eigentlich hinter dem Begriff Kryptowährung? Einleitend werden wir den Begriff sowie den Nutzen erläutern und dann auf die Funktionsweise und einzelne Währungen im Detail eingehen.
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Letzter Stand: 19. April 2021
Darstellung unterschiedlicher Blockchainbegriffe
Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Kryptowährung?

Eine Kyptowährung ist eine digitale Währung, die dezentral als Anwendung auf der Blockchain gesteuert wird. Blockchain!? Ja, die Blockchain Technologie bildet die Grundlage für die Existenz von Kryptowährungen und gewährleistet, dass Transaktionen vollständig, unveränderlich und dezentral gespeichert werden. Die Blockchain ist damit eine dezentral gespeicherte Datenbank, auf der alle Transaktionen einer digitalen Währung gespeichert werden. Aus der Technologie ergeben sich neben den Kryptowährungen weitere Anwendungsgebiete, auf die wir zum Abschluss des Beitrags näher eingehen werden. Zu den Anwendungsgebieten zählen beispielsweise Eigentum, Identifikation, Versicherungen, Logistik und Energiehandel, die auf Basis der Blockchain ohne eine zentrale Instanz auskommen können.

Damit eine Kryptowährung auf der Blockchain gesteuert werden kann, werden alle währungsspezifischen Regeln (Konsensalgorithmen) und Regulierungen (Inflation, Deflation, Geldmenge) in den kryptographischen Algorithmus programmiert. Dieser Code ist Open Source und kann frei zugänglich eingesehen werden. Doch was ist nun der Nutzen einer Kryptowährung? Um diese Frage beantworten zu beantworten, müssen wir den Grundgedanken unseres heutigen Geldsystems verstehen.

Bitcoins und Dollarscheine

Was ist der Nutzen von Kryptowährungen?

Das heutige Geldsystem

Um die Frage des Nutzens von Kryptowährungen zu beantworten, müssen wir ein wenig zurückblicken. Zwischen dem 15. Jahrhundert bis in die 1920er Jahre nutzten wir Papiergeld als Zahlungsmittel. Dieses Papiergeld war an Gold geknüpft. Dies nannte man den sogenannten Goldstandard. Das heißt, dass der Wert einer Summe x in Papiergeld genau dem Wert einer Menge Gold entsprach. Es war also möglich das Papiergeld gegen den entsprechenden Gegenwert von Gold einzutauschen. Durch dieses Prinzip wurde das Papiergeld selten, leicht transportierbar, fungibel (austauschbar) und konnte als Rechnungseinheit besser geteilt werden als eine Unze Gold. Knapp 500 Jahre nach Einführung des an Gold geknüpften Papiergelds beschloss der Finanzsektor den Goldstandard aufzuheben. Durch diese Entscheidung hatte das an Gold geknüpfte Papiergeld keinen Gegenwert mehr. Doch warum hat das Geld dann nicht seinen Wert verloren? Die Antwort: Vertrauen. Das gesamte heutige Geldsystem basiert auf unser Vertrauen in zentrale Instanzen. Diese Entwicklung verleiht unser heutiges Geld den Begriff Fiat-Geld. Fiat leitet sich aus dem lateinischen ab und bedeutet „es werde“. Dadurch wird untermauert, dass dieses Geld keinen Gegenwert (Gold) besitzt, sondern auf unser Vertrauen in die zentralen Instanzen beruht. Der Euro beispielsweise ist die Währung der Europäischen Union(EU). Er wird von der Europäischen Zentralbank – als zentrale Instanz – emittiert und als gemeinsame Währung in 19 EU-Mitgliedstaaten sowie in sechs weiteren europäischen Staaten als Zahlungsmittel eingesetzt.

Zentralität vs Dezentralität

Die zentralen Instanzen von Fiat-Geld entscheiden in der heutigen Zeit beispielsweise darüber:

  • wann du auf dein Geld zugreifen darfst
  • wer Zugang zur Währung erhält (Milliarden Menschen haben keinen Zugang zum Bankensystem!)
  • wie groß die Geldmenge ist (Inflation, Zinssätze)
  • wie viel du überweisen darfst (Überweisungs- & Auszahlungslimits) 
  • und und und….

Unser heutiges Fiat-Geldsystem wird also von Zentralbanken kontrolliert. Wir vertrauen diesen Instanzen, dass unser Geld seinen Wert behält und das wir darauf Zugriff haben. Doch wir wissen auch, dass Zentralbanken diverse finanzpolitische Instrumente einsetzen. Beispielsweise verknappen oder vermehren sie die Geldmenge, um die Wirtschaftsleistung zu beeinflussen. All das macht uns abhängig und insbesondere nach der durch Banken ausgelösten Wirtschaftskrise 2008 wurde verstärkt nach einer alternativen Lösung gesucht. Das war der Startschuss für Kryptowährungen! Kryptowährungen gelten als dezentral, da sie nicht auf zentrale Instanzen angewiesen sind. Jede Kryptowährung funktioniert jedoch nach anderen Regeln, wodurch auch je nach Währung ein unterschiedlicher Grad der Dezentralisierung erreicht wird. Den Dezentralisierungsgrad werden wir im weiteren Verlauf anhand des Binance Coins noch näher erläutern. Im Unterschied zu zentralen Währungen sind dezentrale Währungen u.a. dadurch charakterisiert: 

  • jederzeit (24/7 von Mo-So) nutzbar
  • jeder darf das System nutzen
  • die Regeln und Regularien sind Open Source und für jeden transparent
  • Transaktionen werden dezentral und unveränderlich gespeichert 

Vereinfacht gesagt: Die Blockchain übernimmt durch den kryptographischen Algorithmus alle Aufgaben der zentralen Instanz. Bei Überweisungen beispielsweise bist du nicht weiter auf Intermediäre wie Banken angewiesen, sondern kannst deine Transaktionen direkt mit dem Zahlungsempfänger abwickeln. Das Vertrauen für diese Transaktion gewährleistet die Blockchain, auf der der Algorithmus der Kryptowährung dezentral ausgeführt und gespeichert wird. Dadurch musst du nicht weiter auf von Menschen geführte Institutionen vertrauen. Du vertraust auf den kryptografischen Algorithmus, der alle Regeln innehält und auf die jeder zugreifen kann.  

Funktionsweise von Kryptowährungen

Private Key und Public Adress

Wie eingangs erwähnt, ist eine Kryptowährung eine digitale Währung auf der Blockchain, wobei die Blockchain die gesamte und unveränderliche Transaktionshistorie der Kryptowährung darstellt. Für den Zugang zu der Kryptowährung, benötigst du einen Private Key. Dieser Private Key stellt bei Kryptowährungen deinen PIN für dein Konto dar. Der Private Key wird über eine Wallet, wie beispielsweise dieser* per Zufallsprinzip erzeugt. Um nun deine Public Adress bzw. deine Kontonummer zu erhalten, wird aus deinem Private Key mathematisch deine Public Adress abgleitet. Wichtiger Hinweis hierbei: Es ist vergleichsweise leicht aus deinem Public Key deine Public Adress abzuleiten. Es ist jedoch unmöglich aus deiner Public Adress deinen Public Key zu erhalten. Bei Bitcoin beispielsweise erhältst du die Public Adress deines Private Keys über kryptographische Formeln, wie beispielsweise SHA256 oder Elliptic Kurve Kryptography. Die Funktionsweise hier zu erläutern, sprengt den Rahmen, daher fassen wir für dein Verständnis zusammen: Deine Wallet erzeugt per Zufallsprinzip deinen Private Key (Pin). Der Private Key kreiert per kryptographischer Formeln deine Public Adress (Kontonummer). Im Umgang mit Kryptowährungen ist daher das oberste Gebot:

GIB NIEMALS DEINEN PIVATE KEY PREIS!!! NIEMALS!!! 

Mining

Wenn du mit deiner Wallet deinen Private Key erstellt und dadurch deine Public Adress kreiert hast, kannst du nun (fast) eine Transaktion tätigen. Vorab musst du natürlich sicherstellen, dass auch entsprechendes Guthaben in Form der zu nutzenden Kryptowährung auf deiner Public Adress eingegangen ist. Entsprechendes Guthaben kannst du dir über Kryptobörsen wie Kraken, Binance oder Bison mit Fiatgeld kaufen und von dort aus auf deine Public Adress überweisen. Wenn du nun deine Überweisung ausführen willst, benötigst du lediglich die Public Adress deines Zahlungsempfängers und bestätigst die Transaktion mit deinem Private Key. Über die App deiner Wallet kannst du die Daten deines Zahlungsempfängers (Public Adress, Name, Verwendungszweck, usw.) eingeben und die Transaktion absenden. Das ist dann der Startschuss für die Miner. Mining bedeutet vereinfacht beschrieben, dass in einem dezentralen System Konsens hergestellt wird. Konsens bedeutet, dass die Teilnehmer des dezentralen Systems einer Transaktion zustimmen oder nicht. Um den Konsensmechanismus einer Kryptowährung zu verstehen, müssen wir zunächst ein Verständnis über die Rollenaufteilung einer Kryptowährung entwickeln. 

Teilnehmerrollen

 Die Teilnehmer einer Kryptowährung können in drei verschiedene Rollen unterschieden werden:

  • User: Tätigen und Empfangen Zahlungen, speichern nicht die gesamte Blockchain
  • Nodes: erhalten Zahlungsinformationen von den Usern, überprüfen die Informationen und leiten diese dann an die Miner weiter. Nodes speichern die gesamte Blockchain einer Kryptowährung, um die Dezentralisierung sicherzustellen
  • Miner: Überprüfen und verifizieren Transaktionen, erzeugen Konsens   

Konsensalgorithmen

Da es eine Reihe von Konsensalgorithmen gibt, werden wir im Folgenden zunächst auf die verbreiteten Mechanismen eingehen. Hierzu zählen im wesentlichen Proof of Work (Arbeitsnachweis) und Proof of Stake (Geldnachweis). 

Proof of Work

Der Proof of Work Konsensalgorithmus wird beispielsweise bei Bitcoin verwendet. Bei diesem Mechanismus muss von den Minern bewiesen werden, dass Arbeit verrichtet worden ist. Der Miner, der zuerst die Arbeit verrichtet hat, erhält eine Belohnung in Form der jeweiligen Kryptowährung. Wenn du nun deine Transaktion ausführen möchtest, schickst du die Informationen über die App deiner Wallet automatisch an andere Nodes und Miner. Deine Transaktion ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht bestätigt und bleibt unconfirmed. Miner fügen deine Transaktion nun zu ihrem Pool unbestätigter Zahlungen hinzu. Die Miner haben nun das Reverse Engineering (Rückrechnen) eines kryptographischen Algorithmus zur Aufgabe, der nur durch Probieren gelöst werden kann. Zum leichteren Verständnis kann man sich diesen Prozess wie ein Puzzle vorstellen. Die Miner erhalten Transaktionen (Puzzleteile), die zu einem Puzzle zusammengesetzt werden müssen. Der Clou: Ein Puzzleteil fehlt! Der Miner, der dieses fehlende Puzzleteil, die sogenannte Nonce, zuerst identifiziert, kann das Puzzle bzw. den Block zusammensetzen. Die Nonce verrät dem Miner den sogenannten Hashwert, der die richtige Zahlen-und Buchstabenkombination für den zu lösenden Block darstellt. Dieser Miner hat dann als erstes einen neuen Block gefunden und sendet diesen an die übrigen Nodes und Miner. Die wiederum prüfen den Block in Sekundenschnelle und sofern alles korrekt ist, wird dieser Block der bestehenden Blockchain hinzugefügt. Und somit ist dann auch deine Transaktion validiert und deine Zahlung ist bei deinem Zahlungsempfänger angekommen. Bei Bitcoin beispielsweise besteht jeder Block aus 4.200 Transaktionen. Der Miner, der als erstes einen Block findet, erhält bei Bitcoin derzeit zur Belohnung 6,25 Bitcoins sowie die Transaktionsgebühren der in dem Block befindlichen Transaktionen. Bei Bitcoin dauert das Finden eines neuen Blocks in etwa 10 Minuten. 

Proof of Stake

Der Proof of Stake Algorithmus bezeichnet ein Konsensverfahren, mit dem ein Blockchain-Netzwerk einen Konsens darüber erzielt, welcher Teilnehmer den nächsten Block erzeugen darf. Dieses Verfahren erfordert, dass jeder neue Block durch einen Teilnehmer der Blockchain validiert werden muss, bevor er an die Blockchain angehängt wird. Jeder Teilnehmer des Netzwerks, der einen definierten Stake (Anzahl an Coins) besitzt, hat eine Chance für den nächsten Block ausgewählt zu werden. Für diese Auswahl wird eine Zufallsauswahl eingesetzt. Die Zufallszahl wird dabei nach der Stakingdauer und/oder des Stakingvermögens gewichtet. Die Vorteile von Proof of Stake liegen u.a. darin, dass kein energieintensives Mining notwendig ist und das Netzwerk nicht allein durch Rechenleistung übernommen werden kann (51% Angriff).

Altcoins und Bitcoin

Okay, wir wissen nun welchen Nutzen Kryptowährungen stiften und verstehen grundlegend, wie sie funktionieren. Nun können wir uns einen Faktenüberblick über einzelne Kryptowährungen verschaffen. Da es mittlerweile tausende von Kryptowährungen gibt, schauen wir uns zunächst die Top 3 Währungen nach Marktkapitalisierung an. Wir beginnen mit der Mutter aller Kryptowährungen, dem Bitcoin.

Bitcoin – Die Mutter aller Kryptowährungen

Bitcoin wurde 2008 in einem Whitepaper unter dem Pseudonym Nakoshi Nakamoto veröffentlicht. Bis heute weiß niemand wer sich hinter dem Pseudonym verbirgt. Der erste Block wurde 2009 von Mr. Nakamoto selbst gemined. Bitcoin hat sich bis heute zur wertvollsten Kryptowährung entwickelt und die Marktkapitalisierung liegt bei 956 Mrd. EUR. Damit ist die Marktkapitalisierung mehr als 4-mal so groß wie die von Ether. Ether ist die nach Marktkapitalisierung zweitgrößte Kryptowährung. Bitcoin nutzt den oben beschriebenen Proof of Work Konsensmechanismus. Dieser Konsensmechanismus ist äußerst effektiv jedoch hinsichtlich des Energieverbrauchs nicht der effizienteste. Denn laut Cambridge Bitcoin Electricity Consumption Index verbrauchen die Bitcointransaktionen aktuell rund 119 Terawattstunden Strom pro Jahr. Jedoch sind dies wohlgemerkt nur Schätzwerte und die Varianz liegt nach Institutsangaben zwischen 40 und 265 Terawattstunden. Aktuell wurden rund 18,6 Millionen Bitcoins gemined. Bei Bitcoin findet alle 210.000 Blöcke das sogenannte Halving statt, bei dem die Blockbelohnung der Miner halbiert wird. Durch das Halving ist die Währung auf asymptotische 21 Millionen Bitcoins begrenzt. Pro Sekunde können in etwa 5 Transaktionen getätigt werden. 

Die Wertfaktoren des Bitcoin

Doch was macht den Bitcoin denn nun so wertvoll? Bitcoin vereint als erste Kryptowährungen alle Funktionen, die Geld erfüllen muss. Bitcoin ist leicht transportabel, dient als Wertaufbewahrungsmittel (kann nicht nach Belieben gedruckt werden) und dient als Rechnungseinheit (ist beliebig teilbar). Obendrein ist Bitcoin fälschungssicher, dezentral und somit unabhängig von Zensur. Durch das Hardcap von asymptotischen 21 Millionen ist Bitcoin zudem auch nicht inflationär. Zusätzlich sind das Halving und das Stock-to-Flow-Verhältnis wertsteigernde Faktoren. Durch das Halving wird der Reward der Miner halbiert. Diese Angebotsverknappung sorgt in regelmäßigen Intervallen zu einer Verknappung der Umlaufversorgung, wodurch der Wert bei gleichbleibender Nachfrage sprunghaft steigt. Das Stock-to-Flow-Verhältnis sorgt ebenfalls für eine Wertsteigerung, denn dieses Verhältnis verknappt den Bitcoin weiter. Die Kennzahl setzt die Menge der erzeugten Bitcoins (stock) ins Verhältnis zu den noch zu minenden Bitcoins (flow). Durch das Halving steigt die Kennzahl also permanent an, da der stock steigt und der flow sinkt. Die Folge: Umso höher die Kennzahl, desto knapper und damit wertvoller das Gut bzw. in unserem Fall, der Bitcoin.  

Ein Bitcoin steht auf diversen Münzen. 

Ethereum – Der DApp-Store von morgen?

Ethereum selbst ist keine Kryptowährung, sondern ein dezentrales System. Anstatt die Blockchain nur für Kryptowährungen zu verwenden, hat Mitbegründer und Wunderkind Vitalik Buterin mit seinem Team die Vision, die Funktionalitäten der Ethereum Blockchain in Richtung eines dezentralen Computers zu erweitern. Auf der sogenannten Ethereum Virtual Machine wird es möglich, durch dezentrale Apps (DApps) Smart Contracts anzulegen, zu verwalten und auszuführen. Um Smart Contracts auszuführen, wird auf der Blockchain die Kryptowährung Ether verwendet. Smart Contracts sind Programme, die automatisch ausgeführt werden, sobald eine in dem Vertrag festgelegte Summe in Ether überwiesen wurde. Die Programme werden in der Programmiersprache Solidity geschrieben, die speziell für Ethereum entwickelt wurde. DApps sind Programme, die auf der Blockchain ausgeführt werden. Am einfachsten stellt man sich eine DApp wie eine Website vor. Klassische Websites verbinden sich via API mit einem zentralen Server und zumeist auch Datenbanken. DApps hingegen sind über Smart Contracts mit der Blockchain verbunden. Die DApp kauft über den Smart Contract mittels Ether das „Gas“ – anschaulich ein Treibstoff – welches für ihre Ausführung auf der Blockchain benötigt wird. Eher verwendet zurzeit Proof of Work als Konsensalgorithmus und pro gefundenem Block wird ein Reward von 3 Ether ausgeschüttet. Im Gegensatz zu Bitcoin hat Ether keine maximale Anzahl an Coins und ist damit mit jedem weiteren Block inflationär. Durch das Entwicklerteam wird Ethereum jedoch ständig weiterentwickelt. Aktuell befindet sich Ethereum 2.0 in der Entwicklung. Da Ethereum umweltfreundlicher werden will, soll mit Ethereum 2.0 u.a. der Konsensalgorithmus von Proof of Work auf Proof of Stake umgestellt werden. Laut Aussage von Buterin soll der Energieverbrauch damit um 99% sinken. Ether ist stand heute die nach Bitcoin zweitgrößte Kryptowährung und hat eine Marktkapitalisierung von 246 Mrd. EUR. Auf der Blockchain können zurzeit etwa 15 Transaktionen pro Sekunde abgewickelt werden.

Eine Ethermünze.

Binance Coin – Ein Utility Token

Binance wurde im Jahr 2017 zunächst als zentrale Kryptobörse gegründet. Der Binance Coin stellt die für die Nutzung der Plattform einsetzbare Kryptowährung dar. Zu Beginn war der Binance Coin ein ERC20-Token, der auf der Ethereum-Blockchain lanciert wurde. ERC20 Token versetzen Unternehmen in die Lage keine eigene Blockchain entwickeln zu müssen, sondern sie können ihren Token durch einen Smart Contract auf Ethereum erstellen. Seit April 2019 hat Binance nun eine eigene Blockchain mit dem Namen Binance Chain auf den Markt gebracht. So wechselte der Coin zum Binance eigenen BEP-2 Standard. Besitzer der ERC20-Token müssen ihre Token nun gegen die neue Version umtauschen. Das Binance Entwicklerteam setzte dem Binance Coin ein Hardcap von 200 Millionen Token, von denen zudem 100 Millionen im Laufe der folgenden Jahre vernichtet werden sollten. Viele der beim Trading anfallenden Gebühren (z.B. Orderstornierung) können ausschließlich in Binance Coin beglichen werden. Wer auch die Gebühren für Trades mit den Coins bezahlt, erhält einen Rabatt. Es ist also attraktiv für die User der Plattform, die Binance Coins zu halten, da diese anders als Bitcoin eine konkrete Funktion (utility token) haben. Die Gebührenrabatte für die Verwendung von Binance-Coins fallen jährlich. Durch den schwindenden Anreiz, sollte der Coin technisch gesehen an Wert verlieren. Dies gilt jedoch nur, wenn der Münzvorrat gleich bleibt. Um den Wertverlust entgegenzuwirken, hat sich Binance verpflichtet, jedes Quartal 20% der Gewinne dafür zu nutzen, um die Coins zurückzukaufen und sie für immer zu vernichten. Dies geschieht, bis Binance 50% aller Coins (100 Millionen) zurückgekauft hat. Das bedeutet, dass nach jedem tokenburn das Münzangebot abnimmt und dieser Mechanismus den Preis des Coins schützen sollte. Ob der Coin jedoch weiterhin an Wert gewinnt, ist immens von dem Erfolg von Binance als Plattform abhängig. Es gilt zudem zu berücksichtigen, dass das Binance-Team, die Regeln rund um den Coin umschreiben kann. So war es zum Beispiel lange vorgesehen, dass das Halten des Coins auch Vorteile im Binance-Affiliate-Programm mit sich bringt. Diese Regelung wurde jedoch außer Kraft gesetzt. Mit einem Handelsvolumen von mehr als 50 Milliarden Euro am Tag ist Binance momentan die größte Kryptohandelsplattform der Welt.

Kryptowährungen – Ein (disruptiver) Ausblick

Aus meiner Sicht wird die Blockchaintechnologie unseren Alltag genauso drastisch verändern, wie es das Internet vor rund 20 Jahren getan an. Insbesondere in diesem Jahr häufen sich die Schlagzeilen neuer institutioneller Anleger und Unternehmen, die Kryptowährungen als Zahlungsmittel akzeptieren. Da jedoch auch die E-Mail den Brief bis heute nicht verdrängen konnte, gehe ich persönlich auch nicht davon aus, dass Kryptowährungen ein disruptives Zahlungsmittel darstellen werden. Ich denke jedoch, dass dezentrale Währungen die Wettbewerbsintensität für zentrale Instanzen signifikant erhöhen. Die Polarität dieser beiden Systeme wird uns als Anwendern den Alltag erleichtern. Meine Bank beispielsweise wird die Gebühren nicht mehr um zig% erhöhen, die Überweisungsgeschwindigkeit wird nicht mehr mehrere Werktage dauern und von Hyperinflation geplagte Staatsbürger können durch den Einsatz von Kryptowährungen Ihre Stimme erheben. Ein wichtiger Wettbewerbsfaktor für Kryptowährungen wird die Skalierung der Transaktionen darstellen. Der Zahlungsdienstleister Visa beispielsweise verarbeitet 1.700 Zahlungen pro Sekunde, wohingegen Bitcoin nur 5 Transaktionen pro Sekunde verarbeit. Da das Bitcoin-Netzwerk jedoch weiterhin rasant wächst, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Gemeinschaft auf Änderungen des Codes (das bezeichnet man als Fork) einigen wird, um die Transaktionsgeschwindigkeit zu erhöhen. Daher sehe ich Bitcoin als Asset in der Zukunft eher als digitales Gold, anstatt als (disruptives) Zahlungsmittel. 

Ein Ausblick für Kryptowährungen.

Besonders spannend sind die Entwicklungen, die den Einsatz von Kryptowährungen als reines Zahlungsmittel erweitern. Ich gehe davon aus, dass diese Entwicklungen uns wieder mehr Rechte über unsere Privatsphäre geben und uns gegenüber zentralen Instanzen mehr Macht verleihen. Als Beispiel sind hier sogenannte NFTs (non fungibel Tokens) zu nennen. Künstler können durch NFTs die Rechte an ihren Werken veräußern und transparent und regelbasiert mit vorab definierten Beteiligten abrechnen. Sie brauchen dafür keine Intermediäre mehr, wie Universal oder die GEMA, die enorme Kosten erzeugen und aufgrund ihrer Marktmacht wenig Transparenz bieten. Die Entwicklungen im Bereich von Energiespeichersystemen ermöglichen uns zudem, dass über Smart Contracts ein dezentraler Stromhandel möglich wird. So können wir unseren selbst produzierten Strom in der Nachbarschaft gegenseitig verkaufen und abrechnen. Weitere Anwendungsgebiete finden sich bei der Kreditvergabe, bei Eigentum (Notar), bei Versicherungen sowie blockchainbasierten und damit fälschungssicheren Wahlen.

Halten wir zum Abschluss fest, dass sich die Zukunft von Kryptowährungen überall dort finden wird, wo sich zurzeit zentrale Instanzen und Intermediäre ein Stück vom Kuchen abschneiden. Als Anlageklasse sind Kryptowährungen  bereits heute nicht mehr wegzudenken. Die Renditen astronomischer Größenordnung sind jedoch auch in dem hohen Risiko begründet. Wenn du mehr über investierbare Anlageklassen und dessen Chancen-Risiken-Verhältnis erfahren möchtest, dann klicke hier und erfahre mehr zum Thema Portfolio Management. 

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